Die bittere Lektion von Taormina

Die wichtigsten Industriestaaten der Welt müssen künftig Politik sechs gegen – oder ohne – einen machen.

Es war ein Desaster. Nicht einmal die in diplomatischen Floskeln erfahrene Bundeskanzlerin konnte nach dem G7-Gipfel auf Sizilien verschleiern, wie viel Enttäuschung, Frustration und Verbitterung über den amerikanischen Präsidenten zurückblieben. Doch es reicht nicht, sich nach dieser ersten Auslandsreise des neuen Mannes im Weißen Haus gegenseitig mit drastischen Bezeichnungen für „Trampel Trump“ zu übertreffen. Es scheint eine Tatsache zu sein, dass die wichtigsten Industrienationen der Welt nicht mehr eine eingeschworene 7-er Gemeinschaft sind, sondern in den kommenden Jahren sechs gegen (oder ohne) einen Politik machen müssen.

Dies wiegt deshalb so schwer, weil die USA beim zentralen Thema Klimaschutz offenbar gleich mehrere Schritte zurückgehen wollen. Das ist ein bitterer Rückschlag, weil die Bemühungen um eine Begrenzung der Erderwärmung zum Schlüssel für einfach alles geworden sind: von der Völkerwanderung über die Situation der Wirtschaft bis zur Verhinderung von Naturkatastrophen. Die Vereinigten Staaten klinken sich aus und dürften dies bitter bereuen, weil auf dem Weltmarkt von morgen nur die Unternehmen eine Chance haben, die sowohl ihre Produktion wie auch ihre Waren umweltfreundlich gestalten.

Dennoch werden dieser G7-Gipfel in Taormina, ebenso wie die Brüsseler Begegnungen, eine Wende sein. Die Europäer haben sich dieses Mal regelrecht überrollen lassen – von der Wucht des amerikanischen Präsidenten, der ohne Rücksicht auf Freund und Feind auf bisherigen Beziehungen herumtrampelte und seine Gesprächspartner wie Statisten behandelte. Das bleibt nicht so. Sowohl die EU wie auch die Nato und die G7 wissen nun, mit wem sie es zu tun haben und dass von Washington unter Trump nichts zu erwarten ist. Das bleibt eine Herausforderung, die zu einer Verschiebung der Gewichte führen dürfte. Europa und die übrigen Staaten werden zusammenrücken und ein eigenes Selbstbewusstsein entwickeln. Wenn Trump glaubte, er habe sich durchgesetzt, täuscht er sich. Das Gegenteil ist der Fall. Er hat verloren – wichtige Verbündete, langjährige Freunde und vor allem die Möglichkeit, Koalitionen zu schmieden, die auch den USA nützen. Der Termin für den Beweis steht schon fest: Wenn Anfang Juli die G20 in Hamburg zusammenkommen, wird der Präsident spüren, dass es Koalitionen gegen ihn gibt. Und er dürfte merken, dass Amerika vielleicht aus dem eigenen Blickwinkel an erster Stelle steht, nicht aber aus Sicht der anderen. Trumps Rechnung, er müsse nur brachial genug auftreten, geht nicht auf. Denn der US-Markt reicht nicht für seine Pläne, seinem Land wieder einen Spitzenplatz zu verschaffen. Es ist naiv zu glauben, er brauche nur auf deutsche Autos zu schimpfen, damit die US-Käufer ihr Geld für heimische Pkw ausgeben, die eine geringere Qualität bieten. Er bleibt darauf angewiesen, dass andere ihre Tore für amerikanische Produkte und Dienstleistungen öffnen. Das aber werden sie immer weniger tun, wenn sich Washington von den gemeinsamen Standards verabschiedet. Dies entweder nicht zu sehen oder zu verstehen, ist das eigentliche Dilemma des US-Präsidenten.

Detlef Drewes für www.svz.de.
Quelle:https://www.svz.de/deutschland-welt/politik/die-bittere-lektion-von-taormina-id16923541.html – 28.05.2017

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